Dienstag, 29. Januar 2013


Pflegekind, die Zweite

Ich habe vor ein paar Tagen hier über unseren Familienzuwachs geschrieben und dargestellt, dass die behördliche Sorge für das Wohlergehen des Kindes beim Geld aufhört. Die damit verbundene Konsequenz, juristischen Beistand zu suchen, war leider unvermeidbar.

Ernsthaft: Ich mag diesen Weg nicht. Ich bin der Ansicht, dass man auf erwachsene Art Konflikte aus dem Weg räumen könnte. So von Mensch zu Mensch oder von Mensch zu Behörde. Das setzt natürlich voraus, dass alle Beteiligten mit offenen Karten spielen und keine niederen Beweggründe haben. Als niederen Beweggrund bezeichne ich in diesem Fall z. B. die Aufrechnung einer Kinderzukunft gegen den Inhalt der Amtskassen.
Selbstverständlich gönne ich dem Juristen sein Honorar, davon lebt er schließlich. Dennoch meine ich, dass Steuergelder sinnvoller eingesetzt werden könnten und sich Gerichte nicht mit selbstverständlichen Sachverhalten beschäftigen müssten. Eigentlich.

Gestern erhielten wir einen Anruf des zuständigen Sachbearbeiters des Jugendamtes. Der war eine Zeit lang krank und hatte gar nicht mitbekommen, dass mittlerweile ein Brief vom Anwalt eingetrudelt ist.
Nach ein paar Smalltalksätzen und der Erörterung einer merkwürdigen Angelegenheit, die aber nichts zur Sache beiträgt, fragt er mich plötzlich recht aufgeregt nach dem anwaltlichen Schreiben. Und dann kam der Satz, der mich fassungslos gemacht hat:

„Wenn Sie das mit dem Geld nicht schaffen, muss man noch einmal überprüfen, ob das Kind überhaupt bei Ihnen bleiben kann.“

Wohlgemerkt: Auf meine Nachfrage bestätigte er mir, dass er tatsächlich erwägen würde, das Kind lieber aus dem Haushalt herauszureißen und in einem Heim unterzubringen. Ein diplomierter Sozialarbeiter nimmt also billigend in Kauf, dass ein Kind - aus der gewohnten Umgebung gerissen und in eine andere verbracht – dort wieder herausgenommen wird. Das nenne ich Prinzipienreiterei, zumal ein Heimplatz (abgesehen von der psychischen Komponente) ein Vielfaches von dem kostet, was einer Pflegefamilie zusteht.


Liebe Mitarbeiter der Jugendämter in diesem unserem Land:
Ihr habt es nicht leicht, das weiß ich. Ihr seht jeden Tag eine ganze Menge Kinderelend und müsst mit Gesetzen jonglieren. Geht etwas schief, geratet ihr in den Fokus der Medien. Das zehrt. Das könnte ich persönlich nicht. Ihr habt meinen aufrichtigen Respekt dafür.


Aber bedenkt eins: Das Wohl eines Kinderlebens ist kein Politikum.
Stellt beim „Eignungstest“ ruhig diese ganzen vielen Fragen wie z. B., ob man in der Lage ist, die Interessen des Kindes zu vertreten. 
Aber droht dann nicht, wenn man es tatsächlich tut. 
Und stellt nicht die Interessen des Kindes als Geldgier der Pflegeeltern dar. 
Das mögen die nicht besonders. 

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Man mag es auch nicht glauben, wenn es nur nicht so wahr wäre. Aber das ist ja kein Einzelfall.

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  2. Könntest Du mich sehen, sähest Du mich fassungslos. Es kann einem so ungeheuer viel dazu einfallen, von Verschwendung, von Lug und Trug, von Ignoranz und und Arroganz. Alles ein gewohntes Szenario in diesem Land. Aber wenigstens wenn es um ein Kind geht, dann sollte doch anstelle all dieser Dinge mal Verantwortungsbewusstsein treten...
    Ich drücke Euch alle Daumen dieser Welt, dass es zum Wohle dieses Kindes ausgeht, dass Euch nicht der Mut verlässt und der Anwalt seine Sache versteht!
    Liebe Grüße
    Regina

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